Am 19.4. (also wenige Tage nach meinem Geburtstag) bekam ich Post von meinem AWO-Kreisverband. Der Brief war als Info-Post frankiert und mit einem Adressaufkleber etikettiert, ich erwartete also nichts besonderes.
Da wir am Abend beim Seewolf Schwiegervaters Geburtstag gefeiert hatten öffnete ich ihn erst recht spät. Beim überfliegen blieb mir allerdings ein wenig die Spucke weg und liessen mich kurz glauben, dass die Apfelschorle vom Seewolf möglicherweise doch Asgaard (für die auswärtigen: ein lecker Bier aus einer kleinen Brauerei in Schleswig) war
Ich las ihn also nochmal und nochmal, gab ihn schließlich Anja zu lesen und wir konnten beide nicht so recht glauben, was da drin stand.
Man möchte mir “einen vielleicht etwas ungewöhnlichen Vorschlag machen” und ich möge doch “die folgenden Zeilen in Ruhe durchlesen und überlegen, ob Sie unserer Idee etwas Positives abgewinnen können”. Ahja – und worum geht es? ”Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, mit ihrem Testament auch den Kreisverband der AWO in Lübeck zu bedenken oder ihm zumindestens über ein Vermächtnis in ihrem Testament zu helfen?” (direkt darüber steht übrigens fettgedruckt “Als Mitglied wissen Sie: die AWO hilft ihnen.”)
Kurz gefasst: die AWO möchte in meinem Testament bedacht werden, alternativ kenne ich ja vielleicht Leute, die man dahingehend beraten könnte. Achja, und wenn ich rechtliche Beratung brauchen würde soll ich mich vertrauensvoll an die Geschäftsführerin wenden… Eine Broschüre zu dem Thema lag auch gleich bei.
Um es vorwegzunehmen: mittlerweile finde ich es eher amüsant, an dem Abend war ich aber ganz und gar nicht “amused”.
Nicht dass ich falsch verstanden werde: ich habe kein Problem, wenn soziale Organisationen um Spenden werben. Dazu gehören auch Erbschaften, auch das ist kein Problem. Ich bin verschiedentlich sozial engagiert und kenne das durchaus auch von anderen Organisationen – aber so pietätlos, wie es die AWO da macht habe ich das noch nie gesehen. Und das ist auch das, was ich kritisiere, nämlich die Art und Weise. Schmuckloses Massenanschreiben, ohne persönliche Anrede, recht aufdringlich bei einem sensiblen Thema. Leute, sowas macht man anders, aber bestimmt nicht per unpersönlichem Brief!
Ich persönlich hätte mich wohl noch ein wenig weiter aufgeregt, hätte es dann aber wohl auf sich beruhen lassen. Nun twittere ich aber ja, und Twitter ist ja gelegentlich auch mal ein Dampfablassventil. Den entsprechenden Tweet von mir las dann ein Redakteur der Lübecker Nachrichten, der mich fragte ob ich auch öffentlich Kritik üben würde – natürlich, denn die Art und Weise halte ich nach wie vor für mehr als fragwürdig. So entstand dann ein Bericht in den LN. In der Folge sind auch andere Medien darauf aufmerksam geworden, ein Bericht der TAZ findet sich ebenfalls online.
Ich persönlich bin jetzt am überlegen, was ich mit meinem Verhältnis zur AWO draus mache – denn Mitglied der AWO bin ich (jedenfalls noch) ja. Ich halte es auch für sinnvoll, sich in einer sozialen Organisation zu engagieren (und sei es als passives, aber immerhin beitragszahlendes Mitglied), aber ob ich bei einer solchen AWO noch richtig bin frage ich mich schon. Andererseits gibt es das Gegenbeispiel von Anjas AWO, die hat sich nie nach Lübeck umgemeldet sondern ist nach wie vor in Ihrer Heimat im Westerwald Mitglied und dort scheint das ein recht harmonischer und netter Verein zu sein. Vielleicht sollte ich mich in den Westerwald ummelden?










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